Kanaren statt Balearen

Tatsächlich hat es uns 2019 zweimal in spanischsprachige Länder verschlagen.

Die Flucht vor dem Weihnachtswahnsinn und dem ultimativen Silvesterpartygesnobbe traten wir direkt nach vorne an.

Wobei vorne erstmal einen Zwischenstopp in der Hunsrücker Pampa am Flughafen Hahn beinhaltete. Von dort aus ging es mit dem Touristenbomber direkt nach Teneriffa an den südlichen Flughafen.

Für alle Mietwagengesellschaften, die sich nicht direkt am oder im Terminal befinden, gibt es einen Bustransfer, der ca. alle 15 Minuten fährt.

Man lernt hier auf jeden Fall die drei ‚K‘ lieben:

  • Knoblauch
  • Kartoffel
  • Koriander

Kulinarisch ist die Insel sehr erstrebenswert obwohl nicht besonders groß, gibt es doch in den Tälern und speziell im Nord-Süd Gefälle deutliche Unterschiede.

Diese Trennung, bedingt durch den Teide zieht sich auch durch die Landschaft inklusive Vegetation.

Wir sind mit einem völlig untermotorisierten Mietwagen die Insel hoch und runter gefahren, waren auf den Autobahnen, aber auch auf den kleinsten Nebenstraßen. Es ist eine kontinuierliche Entdeckungsreise, die viel Abwechslung bietet und immer wieder zum Anhalten einlädt.

Der Norden

Überzogen von grünen Wäldern, durchbrochen von tiefen Taleinschnitten und milder im Klima.

Die Landschaft ist hier weitaus abwechslungsreicher und für das Auge auch ansprechender.
Unbedingt sollte man sich den Drago Milenario in Icod de los Vinos ansehen. Tausendfach fotografiert, ist er doch in seiner Wahrhaftigkeit einfach beeindruckend. Es lohnt sich auf jeden Fall auch das Eintrittsgeld für den kleinen Park drumherum zu bezahlen, da man viel bessere Perspektiven erhält, als es die freie Besucherterrasse ermöglicht.

Der Süden

Karg, sonnenverbrannt und ein wenig trostlos. Bis auf das Barranco del Infierno und vereinzelte Restaurantbesuche waren wir nicht lange und nicht oft im Süden.

Obwohl wir nicht in der Hauptsaison vor Ort waren, lagen die Touristen wie Ölsardinen an den Stränden, das mag vielen gefallen, ich zähle mich nicht dazu.

Die Mitte

Der Teide ist die unumstößliche Größe, die einem auf Teneriffa immer wieder begegnet. Seltenst war er nicht irgndwo in der Ferne zu sehen, so dominant prägt er das Landschaftsbild der Insel.

Ein Tagesausflug auf und um den Teide kann ich nur jedem ans Herz legen. Wer ganz hoch hinaus will, der sollte aber unbedingt vorher online Karten für die Seilbahn reservieren und auch checken, welche Routen zum Wandern offen sind.

Warum rund um den Teide? Weil ich den Anblick der Mondlandschaft faszinierender fand als den Blick vom Gipfel. Man kann an der Straße immer wieder anhalten und den Blick über die Caldera schweifen lassen.

Ein toller Abschluss bildete die Ansicht des Observatorio del Teide (Sternenwarte), leider war sie für Besucher geschlossen, aber das Ensemble der Gebäude machte auch so einen mächtigen Eindruck. Und wer des nächtens seinen Kopf gen Himmel richtet, der kann erahnen, weshalb gerade auf Teneriffa ein Observatorium steht.

Kulinarisches Highlight

Hier gabe es gleich zwei und sie könnten nicht unterschiedlicher sein.

Da ist auf der einen Seite das Aborigen in Santa Cruz de Tenerife, das mit einer sehr feinen Interpretation der kanarischen Küche aufwartet. Diese in Kombination mit einem sehr guten Service auf den Punkt serviert und dazu noch vom Chefkoch den Ursprung, die Entwicklung und die Interpretation der jeweiligen Gerichte erklärt bekommt. Wir waren hin und weg, hatten einen sehr kurzweiligen und leckeren Abend.

Auf der anderen Seite hatten wir über Airbnb ein „Kocherlebnis“ gebucht. Gastgeber Estefan hat einen Unterhaltungswert, dass es kracht. Er führt über seine Farm, lässt alle alles probieren, erklärt die klimatischen Einflüsse, ist nebenbei noch Hundeflüsterer und hat ein Talent zum Erzählen.
Das er dann auch noch ein Talent zum Kochen hat, das hat er dann im anschließenden Teil bewiesen. Wir durften uns mit den anderen Teilnehmern an den gedeckten Tisch setzen, während er im Hintergrund in seiner offenen Küche gewerkelt und uns nebenbei in die ländliche Küche eingeführt hat. Mit Witz und sehr viel Freude hat er von den Gerichten, der Zubereitung und der Geschichte erzählt.