Anreisetag

Vermutlich war der Anreisetag mit Sonntag ganz gut gewählt, hat man so wenigstens auf den staugeplagten Autobahnen Bayerns nicht das vollendete Anreisechaos.

In unserer wunderschönen Unterkunft in Kirchdorf im Wald konnten wir erst einmal verschnaufen und den Willkommensgrüßen der lieben Gastgeber lauschen. Da wir nicht mehr viel geplant hatten, haben wir uns direkt noch einen Tip zum Essen ausgebeten und selbstverständlich auch bekommen.

Im Gasthof „Zum Fürst’n“ in Eppenschlag hat uns dann ein toller Service, eine kleine aber feine Karte mit regionaler Küche sowie ein uriges Gasthaus erwartet.

Tag 2

Diese Ruhe, diese unglaubliche Ruhe! Sie lässt einen einfach tief und entspannt schlummern, für lärmgeplagte Rhein-Mainer ist das hier eine wunderschöne und leise Abwechslung.

Ohne Hektik ging es an Spiegelau vorbei auf die Nationalparkstraße um zum Baumwipfelpfad zu kommen. Die Beschilderung im Nationalpark ist vorbildlich und manch andere Touriregion könnte sich mal eine Scheibe davon abschneiden.
Auf dem Parkplatz kann man dann in drei Richtungen gehen, zum einen ins Tierfreigehege des Nationalparks, das übrigens 80 Hektar groß ist, zum anderen zum Baumwipfelpfad, der 10 Euro Eintritt für Erwachsene kostet und es wert und zu guter Letzt zum botanischen und gesteinstechnischen Rundweg, der den geneigten Besucher etwas lernen lässt.

Baumwipfelpfad

Nach dem Entrichten des Eintritts ging es auch direkt auf 16 Meter Entfernung über den Waldboden. Meine Höhenangst wurde dann durch eine solide Konstruktion mit breiten Wegen konsolidiert, so dass ich tolle Einblicke in die sonst verborgenen Baumkronen und die Landschaft des bayerischen Waldes erlangen konnte.

Auf halben Weg kommt eine Station in ähnlicher Höhe, die sich mit dem Wasserkreislauf im Wald beschäftigt, diese wurde aber geflissentlich links liegen gelassen, da hier der Boden teil durchsichtig gestaltet wurde. Der Weg ist für Kinder absolut geeignet und pädagogisch sehr gut gestaltet, die Erklärungen und Erläuterungen sind kindgerecht, ziehen aber auch einen Erwachsenen in ihren Bann.

Der absolute Höhepunkt kommt aber kurz vor Schluss des einfach zu Laufenden 1,3 Kilometer langen Halbrundwegs. Über eine weitläufige Korkenzieherwendeltreppe ohne Stufen gelangt man nach ganz oben des „Arboretum“, hab ich so getauft es heißt nicht wirklich so.

Von dort oben hat man einen fantastischen Rundblick in den südlicheren Nationalpark inklusive Lusen, Großer Rachel und wie die Berge nicht alle heißen. Man begreift aber auch mal die Weite und die Dichte des Waldes, das ist schon beeindruckend.

Gesteins- / Botanikpfad

Hier hat sich jemand richtig Mühe gemacht und zur richtigen Jahreszeit ist der Botanikpfad bestimmt noch anschaulicher, als er sowieso schon ist. Für die Gesteine braucht man wohl jemanden, der einem das mit purer Begeisterung erzählt, die Schilder alleine haben nicht gerade zum Lernen eingeladen. Vielleicht bin ich aber auch nur die falsche Zielgruppe.

Mittagspause

Die Verpflegung ist gut organisiert, allerdings war uns die direkt an den Pfad angeschlossen Waldwirtschaft zu überlaufen, so dass wir uns für das Waldstüberl am Parkplatz entschieden. Die Betreiber sind die Gleichen, allerdings war am Stüberl die Karte wesentlich geringer, aber in dem Moment genau das Richtige für uns.

Tier-Freigelände im Nationalparkzentrum Lusen

Sage und schreibe 80 Hektar mit großzügigenen Gehegen für die Tiere und Wanderwege für die Besucher erwarten einen. Die Gehege sind aus meiner Laiensicht sehr großzügig und tiergerecht gestaltet und die Wanderwege so top in Schuss, dass man eigentlich erwarten würde hier auch einen Obolus für den Eintritt zu entrichten. Dem war nicht der Fall! Hut ab! Toiletten sind übrigens auch noch strategisch geschickt auf dem riesigen Gelände verteilt.

Wir haben nicht alles des 7 kilometerlangen Rundweges gemacht, aber waren begeistert von dem Was wir gesehen hatten. Für Kinder ist wieder vorbildlich viel gemacht und sowohl die Klein- als auch die Großgehege sind so gestaltet, dass man minimalinvasiv die Tiere beobachten kann.

En fin de journée

Die Route zurück führte uns wieder durch Spiegelau, was uns zur wilden Idee kommen ließ hier doch einmal durch den Ort zu fahren, in Erwartungen eines pittoresken Städtchen mit Dorfcharakter. Das Gegenteil war der Fall, irgendwie so gar nicht schön.

Tag 3

So ruhig der Tag begann, so anstrengend wurde er hintenraus. Allerdings waren die gebotenen Aussichten jede Mühe wert.

Anfahrt

Auf dem gleiche Wege wie gestern ging es durch Spiegelau hindurch auf die Nationalparkstraße hinein in den Wald. Ziel war zunächst der Parkplatz „Diensthüttenstraße“ um von dort aus mit dem Bus zur Racheldiensthütte zu fahren. In der Saison von Mai bis Oktober ist die Hütte nur mit dem Bus zur erreichen, da die Zufahrtsstraße von 8 – 18 Uhr für den PKW-Verkehr gesperrt ist.
Das Tagesticket für einen Erwachsenen kostet erschwingliche 5 Euro. Die Busse sind modern ausgestattet und sind quasi fahrende Hotspots mit freiem WLAN.

Wanderstart

Ab der Racheldiensthütte beginnen verschiedene Wanderwege, wir haben uns für den „Buntspecht“ entschieden und den dann zusätzlich noch entgegen der empfohlenen Laufrichtung. Was unweigerlich dazu führte, dass uns niemand überholte, sondern alle uns nur entgegenkamen.
Der Buntspecht führte uns über Stock und Stein, meine kaputten Knochen waren wohlbehalten in meinen Wanderschuhen aufgehoben, in Richtung des Rachelsees am Fuße des Rachels. Auf dem Weg lohnte es sich immer wieder anzuhalten und einfach mal die Ruhe und die Luft zu genießen.

Viele kleine Rinnsale kreuzen den Weg und laden dazu ein, sich einfach mal kaltes Wasser ins Gesicht zu klatschen.
Immer wieder im Blick war der Große Rachel und dennoch war sein Besteigen das entfernteste Vorhaben an diesem Tag.

Tagesziel war aber der Karsee „Rachelsee“ zu seinen Füßen. Teilweise teilt sich der Buntspechtweg die Strecke mit dem Eiszeitlehrpfad, was einen sehr informativen Nebeneffekt hatte.

Schweißgebadet und ohne zu übertreiben haben wir dann den Rachelsee in einer annehmbaren Zeit erreicht. Empfohlen waren 90 Minuten, wir haben 13 Minuten weniger gebraucht, welche wir dann am See aufgeholt haben.
Sieht man mal von lärmenden anderen Touristen ab, dann ist der See unheimlich idyllisch. Man sieht den Gipfel und die Rachelkapelle, welche auf dem halben Weg zu ihm liegt. Der See selbst ist nur von ein paar Enten bevölkert, da er für Fische zu sauer ist (PH Wert 4 – 5,5).

Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter zur Beendigung des Rundweges mit dem Ziel eines kühlen Bieres in der Racheldiensthütte. Der Rückweg mit einem kurzen Umweg über die Schutzhütte „Felsenkanzel“ gestaltete sich weitaus einfacher, was primär daran lag, dass es fast auschließlich abwärts ging.

Schmaus, Rückfahrt und Abschluss

Da wir den Bus zurück zum Parkplatz „leider“ knapp verpasst hatten, „mussten“ wir einkehren. Das frischgezapfte Helle entschädigte mit dem ersten Schluck für die Strapazen und der Kloß‘ mit Soß‘ erst recht.
Die Rückreise nach Grünbach gestaltete sich dann relativ unspektakulär bis kurz vor der Unterkunft. Die untergehende Sonne bescherte einen Anblick, der sich aus einer toskanischen Landschaft und dem Windows XP Standardhintergrund zusammensetzte.

Tag 4

Auf dem Programm standen die Burgruine Weißenstein mit dem dazugehörigen fressenden Haus und gläsernen Wald. Der Garten war in zwei Minuten durchlaufen, auch wenn er ganz schön war, das fressende Haus war geschlossen, ebenso wie die Ruine. Also haben wir uns auf den 1,3 Kilometer langen Pfad rund um die Burg und den Pfahl, das hier dominierende Granitgestein, gemacht. Der Weg war durch Infotafeln interessant gestaltet, hatte aber außer der mystischen Ruine keine großen Highlights.

Also zurück zum Parkplatz und ab nach Regen.

In Regen waren wir dann auch schnell durch, die Städte im bayerischen Wald sind irgendwie einfach nicht schön. Zumindest gefallen sie mir nicht so sehr, wie zum Beispiel Städte oder Gemeinden im Allgäu. Einzig der Kurpark auf der Flussinsel in der Schwarzen Regen hat ein wenig Flair.

Nach einem kurzen Stop in einem Supermarkt ging es dann auch schon zurück in die Unterkunft, um mal Fünf gerade sein zu lassen.

Gegen späten Abend bin ich nochmal durch die kleine Ortschaft gezogen um einen guten Spot zu finden, der es mir ermöglicht den Sonnenaufgang einzufangen.

Tag 5

Um 6 Uhr klingelte der Wecker….ich wollte ja den Sonnenaufgang festhalten. Soweit der Plan, allerdings wollten die Nebelschwaden einfach nicht mitspielen und blieben motzig in der Landschaft hängen.
Nichts war es mit den saftig grünen Hängen, die von leichten Nebelschwaden umwoben von der jungen Sonne bestrahlt werden. Also wieder zurück in die Unterkunft und das Equipment für den heutigen Tag fertig machen.

Der höchste Berg des bayerischen Waldes stand auf dem Plan, der „Große Arber“! Die Bergbahn macht um 9 Uhr auf, deswegen brachen wir um kurz nach 8 Uhr auf um hoffentlich unter den ersten Fahrgästen zu sein. Der Plan hat geklappt, wir waren sogar die Allerersten, die für 10 € pro Person die Bergfahrt antraten.
Die Erfahrungen mit dem Wetter an diesem Tag liessen schon nichts Gutes ahnen und selbstverständlich hatten wir bei Gipfelankunft eine Sicht von Null, dazu noch einsetzenden Regen, was nicht unbedingt motivierte die gesamte Strecke zu laufen.

Aber wenn man schon mal da und oben ist, dann möchte man auch los. Also schnell das Gepäck und die eigene Kleidung umsortiert und los. Der Regen wurde zum Glück schnell weniger und hörte dann auch auf, allerdings verblieb der Nebel und machte einfach dicht. Das von der Tafel unterhalb des Gipfelkreuz versprochene Alpenpanorama wurde völlig verwehrt, die Sicht lag bei unter 20 Metern.

Die beiden Funk- / Radarstationen erinnerten mich sofort an C&C Red Alert, das von 1995, und das Schild „Militärischer Sicherheitsbereich“ komplettierte meine Vermutung, dass hier unter anderem der Warschauer Pakt mal ausgehorcht wurde. Bietet sich ja auch an, der Große Arber ist der höchste Punkt im bayerischen Wald und der nicht weit entfernte Nachbar Tschechoslowakei lag noch hinter dem Eisernen Vorhang.
Irgendwie hatte der Nebel auch etwas Mystisches und das zog sich die ganze Wanderung durch. Der erste Abstieg vom Gipfel in Richtung Kleiner Arbersee ging mehr oder weniger durch frei Natur und über Trampelpfade, so dass sich die Wanderstiefel und die Wanderstöcke mal wieder bezahlt gemacht haben.

Über die Chamer Hütte, die irgendwie auf war, aber irgendwie auch nicht, ging es weiter über leichtes Geröll hinunter zum See. Die Hütte am See „Seehäusl“ kam genau zum richtigen Zeitpunkt und bot Platz für eine Pause.

Der Kleine Arbersee erfreute trotz der Geriatrieflüchtlinge, die überall rumsprangen, das Auge.

Die letzten vier Kilometer der Strecke zurück zur Gondelstation des Großen Arber waren mehr oder weniger ruhig und unspektakulär. Einzig der kleine Ort Brennes bot noch kleine Ansehnlichkeiten und auf den letzten Meter wurde der Blick auf den Gipfel, der uns am morgen verwehrt war, frei.

Tagesabschluss sollte eigentlich ein Rundweg um den nahegelegenen Großen Arbersee bilden, aber dieser war so unspektakulär, gerade zu langweilig und überlaufen, dass wir nach nicht mal einem Viertel der Strecke umgekehrt sind und ab in die Unterkunft fuhren.

Tag 6

Wie angekündigt sollte es eigentlich den ganzen Tag durchregnen und es war Verlass auf diese Vorhersage. Das Programm sollte nach einem gemütlichen Vormittag sehr ruhig angegangen werden, also verschlug es uns in nördliche Regionen des Waldes.

Zunächst kam die gläserne Scheune als Tagesordnungspunkt dran, allerdings ist sie in meine Augen nicht so spektakulär, wie es die Werbeprospekte erzählen. Die großen Wandbilder aus Glas sind schon beeindruckend, aber dann hört es auch auf. Weshalb ist Kunst aus Glas immer mit Kitsch verbunden?

Auf dem Rückweg ging es dann über das Rentnerparadies Bodenmais und dem JOSKA Glasparadies zurück.

Der Abend im nicht weit entfernten Hubertus Stüberl offenbarte noch ein aufstrebendes Lokal, dass noch ein wenig seine Ansprüche sortieren muss, aber schon ordentlich abliefert.

Tag 7

Eigentlich war an diesem Tag noch eine etappenweise Rückreise geplant, allerdings machte das Wetter nicht gerade Lust darauf, dass man aussteigt und die Treppen zur Walhalla aufsteigt. Von daher ging es in einem Rutsch durch und die Waschmaschine freute sich schon über die Ankunft.